Mythos des Monats „Warum die Auszahlung des Schadens nicht immer die beste Lösung ist“

Nach einem Unfall entscheiden sich viele Geschädigte für eine fiktive Abrechnung. Das bedeutet: Die Versicherung zahlt den Schaden auf Basis eines Gutachtens aus, ohne dass das Fahrzeug repariert wird. Das klingt unkompliziert, hat jedoch einige Nachteile, die häufig erst später sichtbar werden.

Die häufigsten Fallstricke

Bei einer fiktiven Abrechnung wird grundsätzlich nur der Nettobetrag erstattet. Die Mehrwertsteuer erhalten Geschädigte nur dann, wenn eine tatsächliche Reparatur nachgewiesen wird.

Hinzu kommt, dass versteckte Schäden oft unentdeckt bleiben. Gerade bei modernen Fahrzeugen können Sensoren, Kameras, Halterungen oder andere Bauteile beschädigt sein, ohne dass dies von außen erkennbar ist. Erst während einer Reparatur zeigt sich häufig das tatsächliche Schadenausmaß.

Auch mögliche Reparaturerweiterungen gehen verloren. Werden während der Instandsetzung weitere Unfallschäden festgestellt, können diese normalerweise nachreguliert werden. Bei einer reinen Auszahlung ist das häufig nicht mehr möglich.

Nachteile, die oft erst später entstehen

Unreparierte Vorschäden können bei einem späteren Unfall zu Problemen führen. Versicherungen prüfen dann genau, welche Schäden bereits vorhanden waren und welche tatsächlich neu entstanden sind. Ohne Reparaturnachweise kann dies zu Kürzungen oder langwierigen Diskussionen führen.

Darüber hinaus wirkt sich ein nicht reparierter Unfallschaden häufig negativ auf den Wiederverkaufswert aus. Fehlende Rechnungen oder Reparaturnachweise führen oft zu Preisabschlägen.

Auch Ansprüche wie Nutzungsausfall oder Mietwagenkosten lassen sich in vielen Fällen schwieriger durchsetzen, wenn keine Reparatur erfolgt.

Sicherheitsrelevante Schäden werden häufig übersehen

Ein weiterer wichtiger Punkt: Nicht jeder Unfallschaden ist sofort sichtbar. Bereits leichte Kollisionen können moderne Fahrerassistenzsysteme, Sensoren, Kameras oder Radarsysteme beeinträchtigen. Werden diese Schäden nicht fachgerecht überprüft und instand gesetzt, können sicherheitsrelevante Funktionen eingeschränkt sein, ohne dass der Fahrzeughalter dies unmittelbar bemerkt.

Fazit

Die fiktive Abrechnung bietet zwar eine schnelle Auszahlung und maximale Flexibilität. Allerdings werden fehlende Mehrwertsteuer, versteckte Schäden, mögliche Kürzungen, Sicherheitsrisiken und spätere Nachteile häufig unterschätzt. Deshalb sollte vor einer Entscheidung immer geprüft werden, welcher Weg wirtschaftlich und technisch die sinnvollste Lösung ist.